Webcams in der Kita, Tracking der Kinder auf Schritt und Tritt – die rundum überwachte Kindheit…

(m)Eine Meinung

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In Amerika schon eine Zeitlang gang und gäbe, aber auch in Deutschland immer weiter auf dem Vormarsch: Die diffuse Angst um die Kinder und die Verfügbarkeit von Trackingtools führt zu einer Dauerüberwachung der Kinder. Aus dem Big Brother wird plötzlich Big Mother.

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Ein bißchen neuer ist die Idee der Webcams in Kita oder Hort. Nach einem Bericht der ARD in der Sendung „Weltspiegel Reportage“ (Mediathek) können die besorgten Eltern in den USA ihr schlechtes Gewissen aufgrund der arbeitsbedingten Abwesenheit beruhigen, indem sie sich den ganzen Tag auf die alle Bereiche abdeckenden Webcams einloggen und schauen, wie ihr Kind (und alle anderen Kinder!) spielt, isst und schläft.

Dass dabei ihre Arbeit leidet, dürfte klar sein, wird aber offensichtlich von ihnen hingenommen. Dass sich auch Dritte unzulässig in die Webcams einhacken können, wiegt dabei schon schwerer, scheint aber ohne aktuellen „Fall“ noch nicht im Bewußtsein der Eltern oder Kitas angekommen.

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Aber was macht das Ganze eigentlich mit den Kindern? Und möchte man dort Erzieher sein, wenn man rundum überwacht wird? Auch die sind natürlich einem starken Überwachungsdruck ausgesetzt.

Kinder (und Erwachsene) brauchen Rückzugsorte. Jeder hat als Kind Höhlen gebaut oder das Baumhaus so abgesichert, dass keine Erwachsenen reinkamen. Warum? Man hat dort doch nur gelesen oder ungestört gespielt, also nichts Verwerfliches. Wichtig war aber, dass dieser Ort für das Kind allein war und dies auch wußte. Es war für eine gewisse Zeit unbeobachtet und ungestört mit seinen Gedanken.

Heute kann es das nicht mehr. Das GPS-Armband immer dabei, obwohl man nur (wie früher auch) auf dem Hof spielt, das Pflaster, welches Fieber und Herzschlag misst oder eben die Webcams, die jeden Winkel aufnehmen. Auch das Kind bemerkt die Dauerüberwachung. Kann es sich überhaupt noch frei entfalten und entwickeln, wenn es doch ständig unter Beobachtung steht?

Und was macht es mit der Gesellschaft, wenn die Kinder an Dauerüberwachung gewöhnt sind? Sie werden später womöglich gar nicht mehr hinterfragen, warum jetzt eine Kamera in ihr Wohnzimmer schaut.

Klar kann man einwenden, dass ich hier maßlos schwarzmale. Aber vor gut 30 Jahren ist man in Deutschland noch gegen die Volkszählung auf die Straße gegangen, heute ist derjenige, der sich nicht vorratsdatenspeichern möchte oder keinen Facebookaccount hat, gleich ziemlich verdächtig. Der Gewöhnungseffekt – erst recht wenn es bei kleinen Kindern beginnt – dürfte massiv sein.

Dabei ist es ja nicht mal eine Frage des Vertrauens gegenüber den Kindern. Die meisten Eltern werden sagen, sie wollen ihr Kind nur sicher wissen. Aber kann man denn nicht mal mehr der Kita oder dem Hort vertrauen, dass die Kinder dort sicher sind – auch ganz ohne ständige Kontrolle durch die Eltern? Genügt es nicht zu wissen, dass man angerufen wird, sollte etwas vorgefallen sein?

Genügt es nicht, später ein paar Fotos vom Ausflug zu sehen?

Eine Mutter im Film sagt dann auch noch, sie sei eben ein Kontrollfreak, habe aber die Kontrolle abgeben müssen, als ihre Kinder in die Kita gingen – jetzt schaut sie eben mehrmals täglich die Webcams an und merkt nicht, dass sie damit noch immer herrlich unkompliziert ihrer Kontroll-Lust frönt.

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von Rechtsanwältin Nele Trenner

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